La nouvelle Cythère  

Germaine Tailleferre
O La nouvelle Cythère Philippe Ferro, Dirigent
Musique des Gardiens de la Paix de la Préfecture de Police de Paris, Orchester

VOL C 332

Preis für eine CD : 5.90 €


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Track, Titel Vorhören Caddie
01. Ouverture (5:05) 0.69
 
Nouvelle Cythère
02. Prélude-Galop (4:54) 0.69
03. Scène (3:40) 0.69
04. Courante (1:53) 0.69
05. Pavane (3:01) 0.69
06. Nocturne (2:07) 0.69
07. Bucolique (1:34) 0.69
08. Alla Marcia (2:06) 0.69
09. Menuet (3:00) 0.69
10. Final (5:39) 0.69
 
Partita
11. 1. Allegretto (5:43) 0.69
12. 2. Tranquillo (2:27) 0.69
13. 3. Allegro (2:14) 0.69
 
Suite II
14. 1. Andantino (4:27) 0.69
15. 2. Andante con moto (4:06) 0.69
16. 3. Allegretto (1:30) 0.69
17. 4. Allegro (2:20) 0.69
 
18. Marche (3:57) 0.69
19. Fox (1:20) 0.69

Spielzeit 1:01:06

Germaine Tailleferre und die Blasmusik.

Alles beginnt 1970, am 50. Geburtstag der Gruppe der Sechs. Der Musikwissenschaftler und Biograph von Durey Frédéric Robert, schlug vor, das Ereignis in Issy-les-Moulineaux zu feiern. Der dortige Konservatoriumsdirektor ist Désiré Dondeyne, ehemals Schüler der Gebrüder Gallon und Tony Aubins, der gerade Dirigent des Blasorchesters der Pariser Gardiens de la Paix war. Das Konzertprogramm bestand ausschliesslich aus Stücken für dieses Orchester. Die einzige, die nichts dergleichen komponiert hatte, war Germaine Tailleferre. Frédéric Robert stellt Dondeyne Germaine vor und man einigt sich auf eine Transkription der Partita für Holzbläser und ein Kammerorchester mit Bläsern anstelle von Streichern. Das Resultat wird zum Triumph. Nach Germaine Tailleferre verleiht die Transkription dem Werk neue Vitalität.

Zwei Jahre später, zum 80. Geburtstag der Komponistin, spielt das Orchestre des Gardiens de la Paix eine Transkription der Ouverture einer 1932 geschriebenen komischen Oper. Vom Resultat begeistert, erklärt Germaine Tailleferre : „Wenn ich noch komponieren würde, dann würde ich nur noch für Blasorchester schreiben!“ „Warum schreiben Sie denn nicht eigens ein Werk dafür?“ „Wäre ich nur zwanzig Jahre jünger!“ Aber zu Dondeyne gewandt sagt sie: „Ich werde für Sie schreiben.“

Tatsächllich wird sie von da an Dondeyne die Aufgabe anvertrauen, eine Reihe ihrer symphonischen Stücke für das von ihm geleitete Orchester zu transkribieren. „Das ist unser gemeinsames Kind“, wird Germaine sagen.

Die hier aufgenommenen Stücke sind nicht alle zu Lebzeiten der Komponistin transkribiert worden, aber allen gemeinsam ist die stilgemässe Inspiration für eine Orchesterformation den Germaine als „voller Witz und Jugend“ charakterisiert hatte.

Die Stücke.

Ouverture.

Es ist ein Auftragswerk von Pierre Monteux zum Weihnachts-konzert 1932 des Pariser «Orchestre Symphonique». Da Germaine vorher ge-beten worden war, zusammen mit Henri Jeanson eine komische Oper zu komponieren, gibt sie Monteux die gerade geschriebene Ouverture. Das Publikum nimmt das Stück so begeistert auf , dass es eine Wiederholung durchsetzt. Es ist in der Tat Ausdruck ungetrübter Lebensfreude, mit einem Hauch von Melancholie in einer Passage für Oboe solo, die jedoch schnell wieder dem rhythmischen Überschwang und dem Humor Raum gibt.

La Nouvelle Cythère.

(Die neue Cythere, ionische Insel und Beiname der Venus) Auric, Poulenc und Milhaud hatten in den zwanziger Jahren mit russischen Balletten zusammengearbeitet. Diaghilev schlug seinerseits Germaine Tailleferre vor, ein von der Reise Bougainvilles inspiriertes Ballett zu komponieren. Bougainville hatte im 18. Jahrhundert melanesische Zivilisationen entdeckt. Tahiti war den französischen Seeleuten wie ein neues Königreich der Venus erschienen, wie eine Glücksoffenbarung aus Unschuld, Freigiebigkeit und Liebe. Diaghilevs Tod führte leider zur Aussetzung des Projektes, obwohl die Parti-tur bereits vollendet war. Man brauchte sie nur ... wiederzufinden, zu überarbeiten und zu orchestrieren,- und vielleicht eines Tages das Stück aufzuführen. Es besteht aus zehn Bildern.

Prélude - Galop.

(Galopp) Ein Kanonenschuss vom Schiff zerreißt im Morgengrauen die Stille der Insel. Eilends versammeln sich deren Einwohner. Nach anfänglicher Reserviertheit bereiten die Insulaner den Seeleuten ein Fest.

Scène.

(Szene) Empfang Bougainvilles und dreier junger Offiziere in der Hütte des Häuptlings. Tanz dreier junger Mädchen und des Häuptlingssohns Aotourou. Courante. Der Botaniker der Expedition, der alte Philibert und sein junger Assistent Jean sammeln Pflanzen. Aotourou folgt ihrem Tun mit Neugier.

Pavane.

Mädchen umgeben Jean. Umsonst versuchen sie, ihn zu umgarnen. Die Dämmerung senkt sich über die Insel. Die drei Offiziere und ihre Gefährtinnen tanzen eine Pavane im französischen Stil.

Nocturne.

Aotourou verscheucht die Mädchen und deutet Jean an, er glaube, unter ihren Kleidern sei in Wahrheit eine Frau verborgen. Philibert hat seine Mitarbeiterin Jeanne derart verkleidet, um sie auf die Expedition mitnehmen zu können.

Bucolique.

(Der ländliche Charakter der Musik unterstreicht den Kontrast zwischen der Ruhe der Natur und der Aufgeregtheit der Menschen) Vorübergehende Matrosen wollen Jean mitziehen. Beim Geraufe wird offenbar, dass Aotourou richtig gesehen hatte: Jean ist in Wahrheit eine Frau.

Alla marcia – Menuet.

Man lacht, Bougainville verzeiht. Doch Aotourou bittet darum, ihn mit an Bord gehen zu lassen, um Jeanne zu folgen. Sie wehrt sich nicht. Man kleidet Aotourou nach französicher Mode und man lehrt ihn und die anwesenden Tahitianer, im Mondschein Menuett zu tanzen.

Final.

Der Morgen rötet sich. Zum Abschied werden Trompeten geblasen. Die Frauen sind traurig. Der Häuptling gibt seinem Sohn und Jeanne den Segen. Nachdem die Matrosen abgereist sind, gehen die Inselfrauen zu ihren Männern zurück, um sich trösten zu lassen. Die heitere Ruhe der Landschaft kehrt wieder ein, nicht ohne eine Spur von Wehmut.

Partita für Flöte, Oboe, Klarinete und kleines Blasorchester.

Allegro, Tranquillo, Rondo. Dieses Stück hat Germaine Tailleferre die Geheimnisse und Vorzüge der Blasorchester offenbart

Zweite Suite für Blasorchester. Andantino, Andante con moto, Allegretto, Allegro.

Es handelt sich um die Transkription der 1949 geschriebenen Orchestersuite, die Françoise Tailleferre, der Tochter der Komponistin gewidmet ist. Dieses Werk hat einen volkstümlichen Charakter, dessen Frische und Delikatesse typisch sind für die Musik der Komponistin. Der Titel: Zweite Suite sollte die Verwechslung mit der Suite-Divertimento für Bläser vermeiden helfen, da diese vor der Transkription entstanden ist.

Marche.

Dieses Stück wurde speziell für das Orchester der Gardiens de la Paix geschrieben. Germaine Tailleferre hatte es zunächst Marche Burlesque genannt, danach... Militärmarsch! Schliesslich hat sie sich mit Marsch begnügt, was dem Stück keineswegs seinen spassigen (eher unmilitärischen) Charakter nimmt.

Fox.

Dieser nicht datierte Fox zeugt von der Vorliebe Germaine Tailleferres und den anderen der Komponistengruppe für diese angelsächsische Musik. Der Foxtrott (Fuchsschritt) ist ein sehr rhythmischer Tanz im Zweiertakt. Die Orchestrierung, die auf die Komponistin zurückgeht, vereint Flöte, Sopransaxophon, Altsaxophon, Fagott (hier ersetzt duch ein Barytonsaxophon) Trompete, Tuba, Zimbeln, Schlagzeug, Celesta, Harfe und Kontrabass.

Übersetzung Wolfgang Westermann